Der Gast, das Rindvieh

Wenn zwei Gastronomen zusammensitzen passiert immer dasselbe. Ähnlich wie bei Männern, die beim Bund waren. Oder Kitesurfern. Es gibt nur noch ein Gesprächsthema. Bei Gastronomen teilt sich das in zwei Unterthemen auf: Personal (scheiße) und Gäste (saublöd).


Ersteres kommt hier in einem anderen Beitrag mal dran.

Spricht man also mit einem Gastromenschen, oder hört einfach nur zu, erfährt man viel über Gäste. Gäste wissen nicht, was Affogato ist. Sie setzen sich absichtlich immer an das entfernteste Ende der Terrasse. Ja, der Gast als solches entblödet sich noch nicht einmal zu Fragen, ob ein Tisch frei sei – dabei ist der Laden doch selbstverständlich ausreserviert. Steht ja im Buch. Höhepunkt ist dann immer der alte Treppenwitz:

Gast: „Kann ich zahlen?“ Service: „Keine Ahnung, haben Sie Geld dabei?“

Immer, wenn ich diese Geschichten höre, frage ich mich warum derjenige wohl in einem Restaurant arbeitet oder eine Bar eröffnet hat. Wurde er (oder sie) denn nicht gewarnt? „Achtung, da hast Du’s mit echten Gästen zu tun. Gäste nerven!“

In der Werbung gibt es übrigens ganz ähnliche Tendenzen unter Designern und Programmieren: Ohne Kunden wäre der Job ein Traum. Allein, ohne Gäste ist der Traum schnell ausgeträumt. Wer so an das Thema rangeht darf sich nicht wundern, wenn er Restaurants demnächst nur noch als Gast betritt. Dann natürlich als Rindvieh, sozusagen.

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